220 FTP Server ready. 421 Login Timeout (30 seconds): closing control connection New Orleans Feetwarmers

von Dieter Fascher

Halfway House  Orchestra

Die New Orleans Feetwarmers wurden Anfang der 90er Jahre von Banjospieler Jochen Schmidt aus Bremen gegründet. Seine Idee: Im Mittelpunkt sollte die Musik eines Orchesters aus New Orleans aus den 20er Jahren stehen. Er war begeistert vom „Halfway House Orchestra“, das von 1919 bis 1929 im „Halfway House“, einem Tanzlokal im Norden von New Orleans, feine „Hot Dance Music“ spielte. Die Band hinterließ nur 22 auf Schellackplatte aufgenommene Titel, die nahezu unbekannt geblieben waren. Das sollte sich ändern….

Jochen Schmidt war schon in den 70er Jahren von den reizvollen Arrangements so angetan, dass ihn seitdem die Idee nicht mehr losließ, die Stücke und den Stil dieses Orchesters mit einer eigenen Band zu spielen. Er musste also unbedingt Musiker finden, die er für dieses Vorhaben begeistern konnte.

Doch zwei Versuche schlugen fehl. Erst Ende 1994 fand er in dem Kornettisten Dieter Fascher, dem Klarinettisten Hartmut Meier und dem Kontrabassisten Wolfgang Möhler drei Musiker, die den Reiz dieser besonderen Jazzmusik erkannten und bereit waren, sich die ersten „Halfway-House-Stücke“ zu erarbeiten. Im April 1995 fand der erste öffentliche Auftritt der „New Orleans Feetwarmers“ als Quartett in Bremen statt.

New Orleans Feetwarmers früher

Schon nach knapp einem Jahr wurde die Besetzung mit Kornett, Klarinette, Banjo und Kontrabass durch ein Klavier ergänzt. Dafür gewann die Band den zu der Zeit erst 21-jährigen Jan-Hendrik Ehlers, der damit das Durchschnittsalter von 50 auf 44,2 Jahre senkte und durch sein hervorragendes Klavierspiel den Sound der Band entscheidend mitbestimmte.

Im März 1997 wurde die erste CD „Live in Grashoffs Bistro“ fertig gestellt, die zweite CD „Eccentric“ entstand als Studio-Aufnahme im Frühjahr 2002.

Aus unterschiedlichen Gründen ergab sich immer wieder ein Wechsel in der Besetzung – vor allem an der Klarinette. Nach Volkert Dethlefsen, Hans Holst, Stephan Orendi und Roman Rösner kamen 2003 Hans-Hilmer Eimer und 2006 Helge Sachs als dritter Bläser (cl, sax) in die Band. Außerdem schied Jan-Hendrik Ehlers auf eigenen Wunsch Anfang 2005 aus. Glücklicherweise fand die Band in dem jungen Pianisten Markus Pohle (damals 23) sehr schnell einen ebenbürtigen Nachfolger.

New Orleans Feetwarmers

Mittlerweile haben sich die NOF mit ihrem mitreißenden Repertoire nicht nur in Jazzclubs und auf Jazzfestivals einen Namen gemacht, sondern sie bereichern auch viele private, geschäftliche und kulturelle Veranstaltungen in Deutschland und den Nachbarländern mit diesen musikalischen Raritäten.

Mit ihrem Konzept, Stücke und Stil dieses Orchesters vom „Halfway House“ zu interpretieren, sind die New Orleans Feetwarmers einmalig in der europäischen Jazzlandschaft, und die Band gilt zwischen Schweden und Italien als Geheimtipp.

Die Einladungen zur Teilnahme an Jazzfesten im In- und Ausland waren und sind die Bestätigung dafür, sich der Herausforderung zu stellen, diese spezielle Jazzmusik der 20er Jahre zu präsentieren. So zählen zur Liste mittlerweile Auftritte beim Jazz Festival in I?awa (Polen 1997), in Brüssel (Belgien 1998), in Halmstad (Schweden 1999), in Genua, Pisa, Viareggio und Montecarlo (Italien, 2000), beim Hot Jazz Jamboree in Berlin (2001), beim Jazzfestival in Kopenhagen, (Dänemark, 2002). Die Band wurde zu Musikfesten in Bad Tölz, Wilhelmshaven, Quedlinburg, Bad Zwischenahn und Borkum (2003) eingeladen, beteiligte sich an Hörfunksendungen von Radio Bremen und war beim Dresdener Dixieland-Festival (2004) dabei.

Im Juni 2006 nahm die Band am ersten europäischen Jazzfestival in Rueil-Malmaison bei Paris teil und errang den ersten Preis für ihre Version der europäischen Hymne („Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven) und den dritten Platz in der Gesamtwertung von 16 verschiedenen europäischen Bands. Doch dann wurde alles anders…

in Memoriam: Jochen Schmidt

In Memoriam: Jochen Schmidt
* 15.08.1951 - † 25.05.2007

Im Mai 2007 verlor die Band durch den frühen Tod ihres Banjospielers Jochen Schmidt ihren langjährigen Spielleiter und den Gründer der New Orleans Feetwarmers. Er war es, der schon in den 80er Jahren die Vision hatte, eine Jazzkapelle zu gründen, die die „weiße Jazzmusik“ der 20er Jahre aus New Orleans spielen sollte.

Seiner Begeisterung, seiner Initiativkraft und seinem Verhandlungsgeschick ist es zu verdanken, dass sich die Band als Amateurkapelle durch 14 Jahre hindurch einen außerordentlichen Namen innerhalb der Szene der alten Jazzmusik gemacht hat.

Auf Grund seiner fast „missionarischen“ Fähigkeit und der Freude daran, andere zu überzeugen, organisierte er die Auftritte, plante die Reisen durch Deutschland und ins benachbarte Ausland, kümmerte sich um die Werbung, indem er Plakate, Briefköpfe und Flyer entwarf und drucken ließ, schrieb in unregelmäßigen Abständen den Jazzbrief der New Orleans Feetwarmers, den er verschickte, regte die Vorbereitungen zur Herstellung der beiden CDs an und knüpfte mit Weitblick immer wieder neue Kontakte, die der Band weitere Auftrittsmöglichkeiten verschafften.

Mit ihm übte die Band noch Anfang Mai 2007 ganz neue Stücke ein, die beim zweiten europäischen Jazzfestival in Rueil-Malmaison Ende Juni aufgeführt werden sollten. Es war ihm aber nicht mehr vergönnt gewesen, in Frankreich den Erfolg der Band mitzuerleben, als die New Orleans Feetwarmers im Wettbewerb diesmal sogar den 2. Platz erreichte.

New Orleans Feetwarmers

Es wäre der absolute Höhepunkt und die Krönung seiner jahrelangen Bemühungen um den Fortbestand der New-Orleans-Musik gewesen, wenn er 14 Tage später beim 14. Jazzfestival in Megève (bei Genf) in den französischen Alpen miterlebt hätte, wie die Band das Finale gewann und als beste von 14 Bands mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde. Damit hatte übrigens zum ersten Mal eine deutsche Gruppe diesen Wettbewerb gewonnen.

Der Banjospieler Manfred „Männe“ Eickholt, der sich das umfangreiche Programm der New Orleans Feetwarmers in kürzester Zeit erarbeitet und die Band nach Frankreich begleitet hatte, ersetzte Jochens Platz am Banjo und war ein würdiger Vertreter; er hat inzwischen die Nachfolge als Banjospieler angetreten.